| Tiefland - wieder entdeckt | ![]() |
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| Geschrieben von Administrator | |||||
| Dienstag, 4. Dezember 2007 | |||||
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Tiefland, von Eugen d’ Albert Premiere an der Deutschen Oper Berlin am 30. November 2007 Musikalische Leitung: Yves Abel, Inszenierung: Roland Schwab
Im Hochland ist die Welt noch in Ordnung: die Luft rein und würzig, wie bei Heidi auf der Alm, der Feind eindeutig auszumachen als wildes Tier, wie bei Rotkäppchen im Wald und der Hirte ist grundgut und fromm, wie aus dem Lehrbuch der naiven Helden. Ganz anders im Tiefland, dort herrscht ein Tyrann wie aus den Nachrichten, weibliche Wesen werden schon in Kindertagen zu Prostitution gezwungen und der Pleitegeier schwebt über der Szenerie, willkommen in der modernen Welt. Das Märchen ist schnell erzählt: Pedro der Hirte ersehnt sich eine Frau, der böse Herrscher Sebastiano übergibt ihm aus heiterem Himmel Marta samt einer Mühle und Pedro hält sein Glück für gemacht. Doch natürlich verfolgt der Bösewicht seine eigenen Zwecke, möchte eine reiche Frau ehelichen, um der Schuldenfalle zu entkommen, doch die Geliebte nur zum Schein an den naiven Held abtreten. Schließlich durchschaut der das Geflecht von Machtmissbrauch, sexueller Ausbeutung und den Komplott gegen sich. Und die Vermeintliche Unschuld wandelt sich in mörderische Wut, der kranke Herrscher wird um die Ecke gebracht, wie einst der Wolf, der seiner Herde Leid antun wollte. Aus dem Hirten wurde ein Erlöser und es ist Zeit, die Rückreise ins Hochland anzutreten. Denn zwischen den einstigen Opfern hat sich eine reine Liebe entwickelt und die gilt es nun in der Abgeschiedenheit der unberührten Natur zu leben. Diese geradezu aufreizend einfache Handlung stellt eine zeitgemäße Regie vor nicht eben geringe Probleme, zu simpel scheint uns die Aufteilung in Gut und Böse, Oben und Unten, Schwarz und Weiß heute zu sein. Da helfen auch die Verweise auf unsere heutige Welt nicht wirklich weiter. Der Chor erinnert zwar mit seinen Horrormasken an ein Rammsteinvideo, agiert jedoch etwas unentschieden zwischen missgünstigem Volk und expressionistischem, sichtbar gemachtem Innenleben des Helden. Die Kostüme schwanken zwischen dekadentem Cocktailkleid und praktischer Expeditionskleidung, Uniformen und selbst gestricktem Ökodress. Das unterdrückte Volk in der industrialisierten Welt schleppt Metallgerippe und wohnt in lebensfeindlichen Eisenhütten und am Ende liegen tote Tiere in der Gegend rum. Das alles ist, trotz anrührender Momente und teilweise wunderbaren Sängern, für heutiges Wissen und Geschmack etwas zu zahm und unentschieden geraten. “Tiefland“, einst ein Hit, erklärtermaßen Hitlers Lieblingsoper wegen seines Alpenpanorama, verfilmt von Leni Riefenstahl, scheint uns heute bigott und die Botschaft allzu moralisierend. „Könnt ich doch lustig sein, wie ich es einmal war als Kind,“ singt Pedro verzweifelt. Wir wissen natürlich, es führt kein Weg zurück. Weder für Marta, die uns am Ende einen erschrockenen Blick über die Schulter zuwirft. Noch für uns, in eine Unschuld, die es wahrscheinlich nie gegeben hat.
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